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Die Zeit der Gründung
Die meisten Musikkapellen unserer Heimat sind aus der Tanzmusik hervorgegangen. Wir wissen, dass in Bürs Christian
Wachter genannt „Bolle“, Franz Josef Huber, genannt „s’Lorenzle“ und der Bludenzer Maler Andreas Jehle, genannt
„Söffandreias“ schon vor der Gründung der Blasmusik bei verschiedenen Anlässen mit Klarinette und Trompete, aber
auch mit Zither und Mundharmonika zum Tanz aufspielten.
Nach dem Vorbild unserer Orte fassten im Jahre 1863 ein paar musikbegeisterte Männer den Entschluss, eine
Blaskapelle zu gründen. Nach den notwendigen Vorarbeiten kam es im Jahre 1864 zur offiziellen Gründung.
Geprobt wurde zunächst in der Stube des jungen Lehrers und Kapellmeisters Christian Butzerin. Die meisten
Instrumente erwarben die Bürser Musikanten, die sich die „Musikbande Bürs“ nannten, bei einer Versteigerung in
Bludenz, wo sich eine Blechmusik gerade aufgelöst hatte.
In Bürs wurde zu dieser Zeit das Schützenwesen sehr gepflegt, und die junge Musikkapelle rückte oft mit den
Schützen gemeinsam zu feierlichen Anlässen aus. Bald waren ein Funkensonntag und die dazugehörten „Letzten Drei“
ohne Musikbande nicht mehr vorstellbar.
Im Jahre 1873 erlaubte es die Gemeinde den Musikanten, ihr Probelokal im alten Schulhaus einzurichten.
Am 24. April gab es anlässlich der Silbernen Hochzeit von Kaiser Franz Josef auf dem Platzgufel ein großes Kaiserfest,
bei dem unter Mitwirkung der Musikbande die „Keisereichen“ gesetzt wurden, die heute noch stehen. 1883 übernahm
schließlich der junge Lehrer Johann Thaler den Dirigentenstab.
Die Musikgesellschaft Bürs
Im Jahre 1885 wurde die Musikbande in die „Musikgesellschaft Bürs“ umgewandelt.
Zu dieser Zeit war die Kapelle mit Uniformröcken und Federbuschhüten ausgestattet, ähnlich wie sie damals
Gendarmen trugen. Die Uniformen waren persönliches Eigentum der Musikanten und wurden nach dem Ausscheiden an
die Nachfolger weiterverkauft. Jährlich wurden zwei Waldfeste veranstaltet.
Unter Ferdinand Thaler als Kapellmeister, der dem Landwirt Gabriel Säly gefolgt war, war die Musikgesellschaft
immerhin schon beachtliche 30 Mann stark.
Ab 1897 übernahm Karl Reis für zwei Jahre den Taktstock. Als zu Allerheiligen 1899 bei der Totenehrung auf dem
Friedhof ein Trauermarsch misslang, entstand unter den Musikanten ein Streit, der noch am gleichen Tag zur Auflösung
der Musikgesellschaft führte. Da stellte sich nochmals Ferdinand Thaler zur Verfügung. Er gründete wieder eine
Kapelle und nach fleißigem Proben rückte die Musikgesellschaft am letzten Abend des 19. Jahrhunderts in gewohnter
Weise zum Silvesterrundgang aus.
Im Sommer 1900 gab die Musik beim Schloss Rosenegg ein Nachmittagskonzert. Weil im Jahr 1902 das Probelokal für
einen weiteren Schulraum benötigt wurde, erhielt die Musik im alten Waschraum, das am Platz des heutigen
Feuerwehrgerätehauses Stand, ihr Probelokal.
Im Jahre 1903 veranstaltete die Musikgesellschaft einen großen Fasnachtsumzug.
Die Musikanten waren an diesem Faschingsdienstag als Chinesen kostümiert.
Eine Spende von Gönnern, die nie genannt wurden, ermöglichte es, den Schulkindern Wurst und Brot zu verabreichen.
Als dem Kapellmeister der Vorwurf gemacht wurde, nicht alles Geld widmungsgemäß verwendet zu haben, war er so
verärgert, dass er den Dirigentenstab zurücklegte. Weil ein Funken ohne Musik undenkbar war ließ sich Ferdinand
Thaler nochmals erweichen, die Musik zum funken zu führen, dann aber legte er den Taktstock für immer nieder.
Wieder einmal löste sich die Musikgesellschaft auf.
Beginn der „Aera Böckle“
Schon drei Tage später taten sich junge Musikanten zusammen,
gründeten von neuem die Musikgesellschaft und wählten den erst 19-jährigen Musikkameraden
Josef Böckle zum neuen Kapellmeister. Allerdings waren viele alte Musikanten nicht mehr bereit,
bei der Musik mitzuwirken. Trotzdem setzte es sich der neue Kapellmeister zum Ziel,
zu Josefi dem Bürgermeister Johann Josef Bachmann und fünf Tage danach
dem Pfarrer Georg Tiefenthaler das übliche Namenstagsständchen zu bringen.
Nach täglichen Proben rückte die Musikkapelle in großteils neuer Besetzung zu Josefi aus.
Noch nie waren zu einem Ständchen so viele Neugierige gekommen,
und zur Überraschung aller klappte es vorzüglich. 1904 beteiligte sich die Musik an der Jahrhundertfeier in Thüringen
und war die beste der angetretenen sechs Kapellen, was ihr eine Sonderbelobigung einbrachte.
1905 rückte Josef Böckle zum dreijährigen Militärdienst ein. Er kam nach der Ausbildung zur Regimentsmusik des
3. Kaiserjägerregiments und erhielt unter verschiedenen Militärkapellmeistern eine ausgezeichnete Ausbildung, die in
der Folge der Bürser Musik zugute kam. Während der Militärdienstzeit des jungen Kapellmeisters übernahm zunächst
Fidel Huber (1905-1906), dann Gabriel Säly (1907-1908) und anschließend ein Jahr lang Franz Nessler den Taktstock.
Die Gründung des „Harmoniemusikvereins Bürs“
Am Pfingstsonntag des Jahres 1909 besprachen die Musikanten Josef Böckle, Xaver Müller und Kapellmeister Franz
Nessler mit Lehrer Hermann Jenny die Umbildung der „Musikgesellschaft Bürs“ in den „Harmoniemusikverein Bürs“. Am
3.6.1909 wurden von einem Proponentenkomitee die Statuten zur Genehmigung eingereicht, und bereits am 17.8.1909
kam es zur konstituierenden Versammlung, die Lehrer Hermann Jenny einberufen hatte. Am 30.12. fand die erste
ordentliche Generalversammlung statt. Die neuen Statuten und die Organisationsform erlaubten nun auch die Werbung
passiver Mitglieder, sodass dieser Versammlung neben 29 Aktiven auch 82 Passivmitglieder beiwohnten. Man beschloss
auch gleich neue Uniformen anzuschaffen.
Im Jahre 1910, in dem die Vereinstätigkeit wochenlang wegen des verheerenden Hochwassers und der am Alvier und Ill
verursachten Schäden zum erliegen kam, wurde Josef Böckle zum zweiten Mal Kapellmeister. Seiner Ausbildung
entsprechend erhielt der Verein nun ein militärisches Gepräge. Gleich im ersten Jahr wurden trotz oben angeführter
Erschwernisse in 78 Voll- und 93 Teilproben nicht weniger als 28 Musikstücke neu einstudiert.
Dazu kamen 24 Ausrückungen. Wegen der notwendigen Nachbeschaffung der Instrumente war die Kassa gänzlich leer,
aber die Musikanten waren Idealisten genug, dass sie zur Deckung der notwendigen Bedürfnisse des Vereins Geld aus
der eigenen Tasche beisteuerten. Jeder Musikant, der ein neues Instrument erhielt, musste zudem 5 Kronen an die
Vereinskasse zahlen. Bis zum Jahr 1912 gelang es Kapellmeister Böckle, die ganze Kapelle mit neuen Instrumenten
auszustatten. Am Fronleichnamstag dieses Jahres rückte die Kapelle erstmals damit aus.
Der Erste Weltkrieg
1914 unterbrach der Krieg die steile Aufwärtsentwicklung des Vereines.
Gleich 10 Musikanten mussten auf einmal einrücken,
und bereits im Oktober 1914 hatte die Musik mit Michael Graß
den ersten Gefallenen zu beklagen.
Das mittlerweile im Gemeindeschuppen im Lug eingerichtete Probelokal
musste als Lager für russische Kriegsgefangene geräumt werden.
Im Gasthof Rosenegg konnte aber das gesamte Inventar
der Harmoniemusik untergebracht werden.
Die russischen Gefangenen wurden zum Straßenbau Bürs – Bürserberg
und zum Bau eines Dammes auf der Schesa, des „Russendammes“, eingesetzt. Als 1915 auch Italien Österreich den
Krieg erklärte, mussten weitere sechs Musikanten ins Südtirol einrücken. Trotzdem gelang es, zu Fronleichnam mit
insgesamt 16 Musikanten auszurücken, dann aber ruhte bis zum Kriegsende jede weitere Tätigkeit. Als im Jahre 1919
Josef Böckle das Vereinleben wieder in Gang brachte, ließen Kriegsfolgen und Hunger nur schwerlich die alte
Musikbegeisterung wieder aufkommen.
Am 3.Juni 1920 gab es aber schon wieder ein Waldfest.
Schwere Zeiten
Im Jahre 1923 traten die Harmoniemusik Bürs dem in diesem Jahr
gegründeten Vorarlberger Harmoniebund bei und entrichtete den
wegen der Inflation unglaublich hoch scheinenden Mitgliedsbeitrag
von 10000 Kronen pro Musikant!
Als im Jahre 1925 die neue Schillingwährung eingeführt wurde,
schrumpfte der Kassa Stand des Vereins mit einem Schlage von
13.496 Kronen auf 1.349,60 Schilling.
Die Vollversammlung 1929 beschloss die Anschaffung neuer Uniformen.
Gegen die Zusicherung der Musikanten weiterhin so aktiv mitzutun,
streckten Vorstand Fidel Huber und Ehrenvorstand Hermann Jenny das fehlende Kapital vor.
Im Jahr 1934 feierte die Harmoniemusik Bürs ihren 25-jährigen Bestand und zugleich das 70. Gründungsfest.
Im gleichen Jahr gab die Kapelle dem aus Brand kommenden Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß, der später ermordet
wurde ein Ständchen. In Folge ließ das Interesse der jungen Leute an der Musik merklich nach.
Dies veranlasste Kapellmeister Josef Böckle im April 1937, den Taktstock niederzulegen. Sein Nachfolger Karl Winger
bemühte sich in der Folge, das Vereinsleben trotz der Ungunst der Verhältnisse wieder zu aktivieren.
Der Zweite Weltkrieg
Am 9. März 1938 spielte die Kapelle bei einer Kundgebung
der Vaterländischen Front zum letzten Mal die alte
österreichische Bundeshymne. Nach der Abdankung
Schuschniggs und der Annexion ans Deutsche Reich
häuften sich die Ausrückungen zu politischen Anlässen,
die alle honorarlos zu erfolgen hatten. 1939 war lediglich
ein Platzkonzert nach dem Gottesdienst gestattet.
Als aber auch das Barvermögen des Vereines dem
Standschützenverein Tirol/Vorarlberg übermittelt werden sollte,
wurde der ohnehin geringe Barbestand in einem Gasthaus
kurzerhand „verzehrt“.
Dann kam der Krieg und Josef Fröwis übernahm vertretungsweise
die Stabführung für Karl Winger, der einrücken musste.
Der Aktivbestand schrumpfte und am 28. Februar 1941 musste die Vereinstätigkeit eingestellt werden, will alle
Musikanten eingerückt waren. Im Februar 1945 musste die Kapelle sämtliche Uniformen zur letzten Kriegs-
Spinnstoffsammlung abliefern, doch konnte ein Großteil davon im Sommer 1945 mit Erlaubnis der französischer
Besatzungsmacht vom „Bädle“ in Nüziders, wo sie eingelagert waren, zurückgeholt werden. Im Dezember 1945 gelang es
Altkapellmeister Josef Böckle bis zum Silvesterumzug wieder eine Blasmusikkapelle auf die Beine zu stellen. Die
Probentätigkeit im alten Probelokal im Lug setzte wieder zu öffentlichen Anlässen aus. Am 17. Dezember 1948 konnte
Kapellmeister Josef Böckle seinem Nachfolger Adolf Klisch eine Blasmusik mit bestem Ruf übergeben.
Unter neuer Führung
Mit Kapellmeister Adolf Klisch erhielt die
Harmoniemusik Bürs wieder einen Dirigenten,
der sich mit Erfolg bemühte,
das Leistungsniveau, das in der Kriegs- und
Nachkriegszeit spürbar gelitten hatte,
wieder zu heben. Mit Unterstützung der
Gemeinde konnte für die Bürser Musikkapelle
die alte Bürser Tracht angeschafft werden,
mit der unsere Musikanten zum 85-jährigen
Bestandsfest im Jahr 1951 erstmals ausrückten.
Im Jahr 1956 übernahm Heinrich Spagolla
den Taktstock der Harmoniemusik Bürs
und leitete diesen bis zum Jahre 1978 mit großem Erfolg.
Zum 120-jährigen Jubiläum im Jahre 1983 konnten die Musikanten ihr neues Probelokal im Untergeschoss des Turnsaals
der neuen Volksschule beziehen, nachdem sie zunächst viele Jahre im Kindergarten ihr Domizil hatte.
Kapellmeister Gustel Ebster übergab im Jahre 1987 den Taktstock an Werner Spagolla. Dieser leitete den Verein fünf
Jahre lang und nach einer interimsmäßigen Dirigententätigkeit von Walter Mark übernahm der junge Kapellmeister
Oliver Burtscher die Harmoniemusik Bürs im Jahre 1994. Mit der Gründung einer Jugendkapelle hat Oliver Burtscher
eine besonders bemerkenswerte Leistung für unseren Verein vollbracht.
Von Jänner 2010 bis zum Dezember 2011 übernahm Nicole Rigo als erste weibliche Dirigentin den Taktstock für die
Harmoniemusik Bürs. Seit dem Jahr 2012 ist Lothar Uth als musikalischer Leiter in unserem Verein.